Das im Müll Museum Soldiner Kiez ausgestellte Kunstwerk „Digital Jesus“ von Oliver Breitenbraser und Ron Gerlach verweist nicht nur auf die selbsterschaffenen Götter, die inzwischen unser Miteinander dominieren, sondern auch auf Smartphones und andere Elektrogeräte, die ungenutzt in unseren Haushalten herumliegen. In Deutschland lagern rund 125 Millionen Smartphones in den Haushalten, das wären circa drei Tonnen Gold, 30 Tonnen Silber und über tausend Tonnen Kupfer in unseren Schubladen!!
Der weltweite Berg an Elektroschrott wächst den Vereinten Nationen zufolge jedes Jahr um mehr als 50 Millionen Tonnen an – im Jahr 2021 sollen es sogar 57 Millionen Tonnen gewesen sein.
Der ganze Müll wiege demnach mehr als die Chinesische Mauer, das schwerste künstliche Bauwerk der Welt.
Nahezu 100 Prozent der bergbaulich genutzten Metalle und Minerale werden außerhalb Deutschlands gewonnen; viele in Ländern des Globalen Südens.
Nicht alle, aber die wichtigsten Rohstoffe fürs Smartphone, kommen aus Regenwaldländern: Dazu gehören Chile, Brasilien, Peru, DR Kongo, Indonesien. Um an die Rohstoffe zu kommen, werden großflächig Regenwälder und Natur zerstört. Die Menschen verlieren ihre Heimat. Maschinen graben riesige Krater. Chemikalien verseuchen Böden und Flüsse. Die Arbeit in den Minen kann lebensgefährlich sein: Stollen brechen ein, Menschen werden in Gruben begraben. Selbst Kinder müssen in tiefe Schächte kriechen. Dass Kobalt aus der DR Kongo zum Teil von Kindern gewonnen wird, wurde von Amnesty International aufgedeckt.
Wohin diese Edelmetalle von hier aus gehen, wissen wir nicht. Vielleicht landen sie in der Bordelektronik eines Wagens, vielleicht in einem Handy, das wir in einem Shop kaufen oder in der Steuerung einer Waschmaschine. Deutsche Hersteller wissen es häufig selbst nicht. Für sie zählt der Gewinn – Rohstoffe müssen verfügbar und günstig sein.