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Wir sind endlich online

Es hat lange gedauert, aber nun haben wir auch unsere eigene Website. Während das Leben da draußen so langsam wieder Fahrt aufnimmt, werden auch wir wieder die Pforten des Müll Museums Soldiner Kiez öffnen. Allerdings fehlt uns etwas, und das sind die Schülerinnen und Schüler aus dem Soldiner Kiez, die in ihrem Regal nicht haufenweise Bücher stehen haben, und eher zur „bildungsfernen“ Schicht gehören, wie es in der Soziologensprache heißt. Ihnen haben wir dieses Museum gewidmet. Im MüMu geht es um alles: Dass der Soldiner Kiez mehr kann als Müll. Dass er ein wildes Nest von Künstler*innen ist – und dass hinter Müll viel mehr steckt, als auf dem ersten Blick vermutet wird. Damit auch in Corona-Zeiten der Müll nicht zwischen uns steht, sondern eine Brücke baut, sind wir nun also auch digital zu haben.

Eine große Auswahl der festen Ausstellung ist auf dieser Website zu finden. Die großartigen Kunstwerke wurden von Künstler*innen aus dem Soldiner Kiez produziert. Einige der Exponate existierten bereits vor der Gründung des Müll Museums Soldiner Kiez, so der Digital Jesus von Ron Gerlach und Oliver Breitengraser. Die Skulptur wurde aus verschiedenartigen Elektroschrott angefertigt, den die beiden auf dem Weg zur Mülltonne gerettet haben. Andere sind exklusiv für das MüMu entstanden, wie etwa der Döner des Knetkünstlers Henrik Jacob.

16.07.2020

Döner Kebab – in Knete verewigt.

Die Kunstwerke nehmen den aktuellen Konflikt über Müll im Kiez auf. Sperrmüll, Littering und illegal entsorgter Hausmüll führen zu diversen Streitereien und gegenseitigen Vorwürfen. Während Kinder die Verunreinigung der Spielplätze durch Essensreste, Zigaretten und Windeln lauthals anprangern, stoßen sich die Älteren vor allem an „ganze Wohnungseinrichtungen, die einfach auf die Straße gestellt werden“, wie Hänschen Klein so gerne auf öffentlichen Sitzungen formuliert.

Unsere Kunstwerke sollen den Blick für Müll schulen und unterhaltsam verdeutlichen, dass Müll „gelesen“ werden kann. So erzählen sie die Geschichte des Soldiner Kiezes seit den großen Säuberungen durch die Nazis bis in die Gegenwart.

In unseren kostenlosen Workshops, die wir mit den Schulen veranstalten, werden den Schüler*innen die Rolle des Kurators zu Teil. Sie haben die Aufgabe, das Kunstwerk in seiner ganzen Deutlichkeit zu analysieren: Form, Farbe und Material sind dabei ebenso unverzichtbar wie die Beschreibung: vom Vorder-, über den Mittel in den Hintergrund, soll das beschrieben werden, was gesehen wird. Wertfrei. Hier geht es um exakte, neutrale Sprache. Erst im zweiten Schritt wird die Interpretationsebene eröffnet: was stellt es dar? Der Digital Jesus ist erstmal nur ein aus Handys angeordnetes Kreuz, an dessen vertikaler Ebene eine Holzfigur in einem schwarzen Anzug mit Krawatte hängt. Erst in der zweiten Ebene wird es zu einem Kruzifix, das eine Figur zeigt, die durch Handys am Leben gehalten wird: ein Kabel verbindet die rechte Brusttasche, unter der das Herz vermutet wird, mit einer Festplatte. Die Frage, die sich die Schüler*innnen stellen werden, ist: Was macht das Kunstwerk mit mir? An was erinnert es mich? Und vor allem: Was hat das mit Müll zu tun?  

Seit der Eröffnung am 15. MüMu am 15. März 2019 sind über 300 Schüler*innen im MüMu gewesen. Am Rand: MüMu nennen wir das Museum liebevoll, in Anlehnung an das große Museum of Modern Art in New York, das unter Kennern MoMA genannt wird. Besonders die Sommermonate waren sehr gut besucht. Die Gäste kamen aus dem Soldiner Kiez und restlichen Wedding, aber auch Rudow, Pankow, Prenzlauer Berg und sogar Charkov aus der Ukraine.  Mit diesen Jugendlichen ging es sehr viel um das Leben mit dem Atomkraftwerk Tschernobyl, dass die Welt 1986 zu Tode geschockt hat, und Zigaretten, deren Produktionsstätten während der großen Krise verlässliche Arbeitsplätze waren: ein Beispiel dafür, dass die Workshops, die wir für Vorschüler ebenso anbieten, wie für Abiturienten, eben auch von den Besucher*innen mitgestaltet werden.

Im Blog auf dieser Website werden wir regelmäßig über Müll berichten, der hier so im Kiez herumflirrt. Vor allem Rassismus, Antiziganismus und Sexismus werden hier thematisiert. Wir lassen Leute zu Wort kommen, deren Stimmen zu oft unerhört bleiben, machen auf Aktionen aufmerksam, die im Sinne der solidarischen Nachbarschaft nachhaltig sind – und freuen uns über zahlreiche Besucherinnen und Besucher.

Also: Bleibt dran!

ABOUT LENA REICH

Lena ist Journalistin und Gründungsmitglied des Müll Museums. Sie schreibt, initiert und setzt sich leidenschaftlich für die Bildung von Kindern und Jugendlichen – nicht nur im Kiez – ein.