BLOG

MuellMuseum_Soldiner_Kiez_Plastik_Strandgut

Wasser in Plastik

21.07.2022

Warum trinken heutzutage so viele Menschen Wasser aus PET Flaschen, wo
doch laut Expertinn*en bei uns in Deutschland das Trinken von
Leitungswasser mindestens genauso gesund ist wie Wasser aus
Glasflaschen zu konsumieren – und sogar weitaus empfehlenswerter als
Wasser aus Plastikflaschen?
Immerhin werden 3 Liter Wasser benötigt, um 1 Liter Wasser in eine PET-Flasche abzufüllen.
Die Coca Cola GmbH führte Ende der 1980er Jahre die ersten PET-Flaschen
in Deutschland ein. Und zur Freude der Getränkegiganten floriert das
Geschäft mit dem Wasser gut:

Nestlé
Jahrelang pumpte der Konzern im kanadischen Bundesstaat Ontario nahezu
kostenfrei Frischwasser ab und verkaufte es in Flaschen zu horrenden
Preisen im Supermarkt. Weil Nestlé täglich 3,6 Millionen Liter Wasser
abpumpte, saß die indigene Bevölkerung im Six-Nations-Gebiet auf dem
Trockenen.

Vittel
Die Klimakrise hinterlässt auch in den Vogesen ihre Spuren. Im Sommer
2018 waren rund 40 Gemeinden der Region – darunter Contrexéville und
Vittel – von Dürre bedroht. Einige Ortschaften mussten sogar über
Tanklastwagen mit Wasser versorgt werden – während der Schweizer
Konzern sich direkt vor Ort am Trinkwasser bediente.

Voss
Billiges Wasser teuer verkaufen – auf die Idee kommen auch andere. So
kostet eine Halbe-Liter-Flasche der Marke Voss stattliche 1,80 Euro. Als
reines Gletscherwasser angepriesen, handelt es sich um gewöhnliches
Leitungswasser aus einer Seeregion in Iveland, dass teuer aus Norwegen in
die USA exportiert wird.

Coca Cola
In Lüneburg wollte Coca Cola einen dritten Trinkwasserbrunnen bauen.
Geplant war, jährlich bis zu 350 Millionen Liter Wasser aus 195 Metern Tiefe
zu fördern. Doch eine Bürgerinitiative wehrte sich. Es sei nicht vermittelbar,
dass sauberes Grundwasser für 0,009 Cent pro Liter an einen Weltkonzern
wie Coca-Cola abgegeben werde, um 10.000 Mal teurer in Plastikflaschen für
90 Cent verkauft zu werden.

MuellMuseum_Soldiner_Kiez_Wasserhahn_Pixabay
MuellMuseum_Soldiner_Kiez_Wasserglas_Pixabay

BUND/ Heinemann: „Es ist an der Zeit, endlich alle unsere Ressourcen
nachhaltig zu nutzen und zu schützen. Kein Getränkekonzern der Welt hat
das Recht, die Ressource Grundwasser zu privatisieren, keine Landwirtschaft
der Welt hat das Recht, diese Ressource dauerhaft zu schädigen…“
Wer Leitungswasser trinkt, der spart nicht nur bares Geld, sondern auch
Zeit beim Einkaufen. Und schont ganz nebenbei auch die Umwelt.
80 Prozent des Kunststoffmülls gelangen über Flüsse oder gleich direkt in die
Ozeane.
Laut einer Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP)
treiben bis zu 46.000 Plastikteile in jedem Quadratkilometer der Weltozeane.
141 Milliarde Plastikflaschen und Aluminiumdosen werden weltweit
jährlich NICHT recycled.
In den Weltmeeren ist heute sechs Mal mehr Plastikmüll zu finden als
Plankton. **1))

 

 

**1))Darena Schymanski, Christophe Goldbeck, Hans-Ulrich Humpf, Peter Fürst: Analysis
of microplastics in water by micro-Raman spectroscopy: Release of plastic particles from
different packaging into mineral water. In: Water Research. Band 129, 2018, S. 154–162,
doi:10.1016/j.watres.2017.11.011

MuellMuseum_Soldiner_Kiez_Monika_Ratering_2

Text Monika Ratering