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Henrik Jacob -Doener Kebab - Knetdoener - gerahmt

WIESO SIND DÖNER SO BILLIG?

10.02.2021

„Warum hängt hier ein Döner?“, werden wir des Öfteren von den Besuchern des Müll Museums gefragt. Und: „Ich liebe Döner. Döner sind kein Müll!“. Das stimmt, müssen wir dann zugeben. In erster Hinsicht ist das Kunst. Wir sind nämlich sehr stolz auf den Knet-Döner, der extra für uns von Kiezkünstler Henrik Jacob geknetet wurde. Auf drei hintereinander liegenden Glasebenen hat Jacob bunte Knete so positioniert, dass sie ein abgeschlossenes Bild ergeben. Brot, Fleisch, Zwiebeln – Jacobs Döner sieht ziemlich überzeugend aus und im Nu wird diskutiert. Über angebissene Döner, die auf Spielplätzen herumliegen. Aber auch darüber, warum Döner eigentlich so billig sind. Themen, über die wir dringend reden sollten, wie wir finden:

Hühnerhaufen
Hühnerfleisch

Dass das Fleisch in Discountern so günstig und damit für alle angeboten wird, funktioniert nur aufgrund der Massenproduktion. Allein im Jahr 2019 wurden in Deutschland 59,7 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde geschlachtet. Dazu kommen 652,6 Millionen Hühner. „Deutschland ist mittlerweile nicht mehr nur Europas Schlachthof, sondern auch der Schlachthof der Welt“, sagt Franz Voll, früherer Metzger und Lebensmittelkontrolleur der Radiosendung Deutschlandfunk Kultur. Vor allem Schweinefleisch wird in Länder, wie u. a. China exportiert. Für diese Produktion wiederum braucht man viele Arbeitskräfte. Da in den vergangenen Jahrzehnten immer weniger deutsche Staatsbürger die blutige und schlecht bezahlte Arbeit machen wollten, bieten Unternehmen wie Tönnes, Vion oder Willms oft rumänischen und bulgarischen Europäern sogenannte Werkverträge an. Diese Werkverträge sorgen dafür, dass die Arbeiter weniger Rechte haben. Wohn- und Arbeitsbedingungen sind dürftig. Nach Angaben der Bundesregierung arbeiten sie mit großer Wahrscheinlichkeit abends, nachts und am Wochenende. Offiziell bekommen die Arbeitskräfte den Mindestlohn bezahlt, der seit 2014 in der Fleischindustrie eingeführt wurde. Nicht so transparent ist aber, wie viel ihnen von ihrem Lohn übrigbleibt. Die Unternehmen, die sie einstellen, ziehen den Arbeitskräften Kosten für Unterkunft, Transport und Material vom Mindestlohn ab. Sich zu wehren, oder gar ein faires Angestelltenverhältnis mit fairen Arbeitsbedingungen oder Mindestlohn einzuklagen, ist nur schwer möglich. Die Menschen werden weiterhin ausgebeutet. Zusätzlich schätzen Gewerkschaften, dass 80 Prozent der Arbeiter von Subunternehmen beschäftigt werden. Das heißt, eine Firma übernimmt z.B. das Schlachten und eine andere das Zerlegen. „Dadurch können sich die Schlachthöfe vollkommen ihrer Verantwortung für die Arbeitsbedingungen entziehen“, kommentiert Johannes Jakob vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) im Gespräch gegenüber der Tagesschau.

Corona hat diese Missstände endlich einmal aufs Tapet gebracht. Mit den Infektionen wurden in der Presse auch über beengte Wohn- und Arbeitsverhältnisse, sowie eine migrantische schlecht organisierte Belegschaft in prekären Verträgen berichtet. Mit Folgen – ab Januar diesen Jahres sind Werkverträge für Leiharbeiter verboten. So sehr wir uns freuen: der Döner wird davon nicht teurer. Die Tiere werden nicht weniger geschlachtet. Und was das für die Arbeiter*innen und ihre Familien bedeutet, die sie mit diesem Hungerlohn ernährt haben, können wir uns in Deutschland gar nicht vorstellen.

 

 

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ABOUT MARIA MORENO

Maria ist Juristin mit Schwerpunkt Umweltrecht und Nachhaltigkeit. Sie hat in Argentinien und Spanien u. a. als Anwältin für Umweltschutz gearbeitet. Seit drei Jahren ist sie festes Mitglied des Teams Müll Museum Soldiner Kiez.