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Müll in unseren Körpern

21.09.2022

Das im Müll Museum Soldiner Kiez ausgestellte Kunstwerk Fashion zeigt eine Skulptur bestehend aus über hundert Capri Sun-Verpackungen. Sie erinnern an eine überfällige Upcycling-Mode, bedecken aber auch den Körper und halten ihn schützend warm. Im Innern aber herrscht Chaos: durch die tagtäglichen Lebensmittel, die die Menschen konsumieren, werden Chemikalien angereicht.
Noch weiß niemand so richtig, wie gefährlich sie wirklich sind.

In fast allem, was wir konsumieren, essen, anziehen, sind synthetische Stoffe enthalten. In abwaschbaren Oberflächen, Outdoorkleidung, elastische Plastikbehälter, wetterfeste Lacke und Schuhen. Eine dieser Stoffe ist „PFAS“, das sind polyflourierte Alkylsubstanzen. Diese Alkylsubstanzen sind im Haushalt zu finden oder stecken in vielen Funktionsbeschichtungen wie z.B. Gore-Tex oder Kochgeschirr wie Teflon. PFAS wird verwendet, weil es Verpackungen wasser- und fettabweisend macht. Da diese Substanzen aber kaum abgebaut werden, nennt man sie auch „ewige Chemikalien“. Sie lagern sich in menschlichen Körpern in Blutbahnen, Organen und Fettzellen ab. In höheren oder langanhaltenden Dosierungen schädigen sie das Hormonsystem und können letztlich die Leber vergiften. Die hormonellen Schadstoffe können bereits in der frühen Schwangerschaft die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen. Davon erzählt auch der Film „Vergiftete Wahrheit“ eindrucksvoll – auf der Toplist unserer Spielfilme über Müll.

Auch sogenannte Phthalate können unsere Gesundheit schädigen und sollen daher nur in Ausnahmefällen zugelassen und vermarktet werden. Rund eine Millionen Tonnen Phtalate werden jährlich in Westeuropa produziert. Davon gehen mehr als 90% gehen in die Produktion des Weich-PVC, ein Weichmacher, der in vielen Alltagsprodukten enthalten ist, wie Flipflops, Kabeln, Folien, Spielzeug, wie unser Barbie-Flugzeug. Wenn Kinder etwa auf Barbies Flugzeug oder an der Puppe selbst kauen würden, wäre das ungesund.

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Ein Stopp dieser Weichmacherproduktion könnte nur auf politische Ebene wirklich funktionieren. Phtalate müssten in die Liste „besorgniserregender Stoffe“ der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) aufgenommen werden. In aufwendigen Verfahren würde dann nämlich vorher geprüft, ob unter den verwendeten Stoffen auch gesetzlich verbotene sind. Das sind langwierige, bürokratischer Prozesse. Bis dahin bleiben die gefährlichen Substanzen in Körper und Natur. Lange schon weheren sich gegen solche Leistungen und Verboten mächtige Konzerne wie BASF, der größte Chemiekonzern der Welt. Warum? BASF produzierte 2020 knapp 600 000 Tonnen Weichmacher und erzielte 2020 weltweit einen Umsatz von 59 Milliarden Euro.

Um nicht ganz machtlos den Konzernen überlassen zu werden, hat das Umweltbundesamt die Scan4Chen App entwickelt, die per Barcode-Scan vor kritischen Inhaltsstoffen warnen soll. Außerdem könnte jeder Mensch über sein Konsumverhalten einmal nachdenken und es ändern. Das zählt für jede einzelne Kaufentscheidung. Unternehmen werden durch unsere Kaufkraft gezwungen sein, sich neu auszurichten. Generell gilt bei jedem Einkauf: gibt es eine unverpackte, chemiefreie und natürliche Alternative zu dem, was ich da gerade kaufe?

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Text Monika Ratering